RACE AROUND AUSTRIA 2025
Deutscher Steinberger erneut Ultracycling-Weltmeister, Hofer Zweiter
Die 17. Auflage des Race Around Austria geht in die Geschichtsbücher aufgrund der Hitze als eines der schwersten ein. Nach dem WM-Titel von Elena Roch kam heute Nachmittag der Deutsche Rainer Steinberger als alter und neuer Weltmeister ins Ziel. Er siegte nach einer taktischen Meisterleistung beim Favoritensterben der letzten Tage mit einer Zeit von 3 Tage 17 Stunden 4 Minuten klar vor dem Mühlviertler Michael Hofer.
Viele Favoriten mussten während des 2.200 Kilometer langen Race Around Austria (RAA) frühzeitig die Segel streichen: Der amtierende Europameister Dominik Meierhofer stürzte im Burgenland nach einem Sekundenschlaf und musste das Rennen beenden, ebenso wie der favorisierte deutsche Vorjahressieger Sebastian Mayr oder Rudi Steinbichler. Danach erwischte es auch den lange Führenden Tiroler Frederic Pasqualini, der dem Schlafentzug Tribut zollen musste. Damit war der Weg frei für den 49-jährigen Deutschen Rainer Steinberger. Aber er ist natürlich kein Zufallsweltmeister, denn schon im Vorjahr eroberte er beim Race Around Poland den WM-Titel!
Bayern vorm Mühlviertel
Im Jahr 2019 gewann Steinberger zum ersten Mal das Race Around Austria, das emotionalste Radrennen Österreichs. 2021 folgte der zweite Sieg mit einer persönlichen Bestzeit von 3 Tagen 15 Stunden 19 Minuten. "Ich wollte heuer unbedingt schneller fahren, aber ich verpasste wegen der brutalen Bedingungen meinen Rekord um knapp zwei Stunden. Aus taktischer Sicht fuhr ich sicher besser als alle anderen. Die sind da vorne ja weggebrochen wie die Schmeissfliegen. Mein Rennen begann ab dem Kühtai so richtig. Es war brutal schwer wegen der Hitze, aber Doppelweltmeister klingt jetzt nicht schlecht", sagte der Oberpfälzer, der bei seinem vierten RAA-Start seinen dritten Sieg feierte.
Michael Hofer aus Julbach siegte 2023 beim RAA 1500 und zählte bei der Weltmeisterschaft zum Favoritenkreis. Dem wurde der 42-jährige Hausmeister mit einem starken zweiten Platz und einer Zeit von 3 Tagen 20 Stunden 47 Minuten gerecht. "Ich fuhr zum ersten Mal das Race Around Austria und habe nie aufs Ergebnis geschaut. Ich wollte ein für mich starkes Rennen fahren - und das ist mir gelungen", freute sich der neue Vizeweltmeister Hofer im Ziel. In der Overall-Wertung landete Elena Roch hinter Steinberger und Hofer an der dritten Stelle. In der Männerwertung befindet sich der Pole Marek Rupinski auf den letzten Stunden seiner Fahrt in Richtung Rang drei.
Kaufmann/Brandl siegen bei Zweierteams
Auch die schnellsten Teams über die 2.200 Kilometer lange Distanz des Race Around Austria kamen heute ins Ziel. In der Zweierwertung gewannen die beiden Race Across America-Helden Markus Brandl und Lukas Kaufmann vom Team sportplusmedizin mit einer Zeit von 3 Tagen 31 Minuten. "Wir haben sehr gut harmoniert und haben alle 40 Minuten gewechselt. Nach dem RAAM in diesem Jahr war es eine große Belastung, aber es lief von Stunde zu Stunde besser und ich fand wieder einen guten Rhythmus", sagte der zweifache RAAM-Zweite Lukas Kaufmann. Bei den Viererteams gab es für das Highwood-RCC-Racing-Team mit einer Zeit von 2 Tagen 13 Stunden 33 Minuten einen überlegenen Sieg. Das Quartett Markus Geier, David Zechleitner, Dominik Zechleitner und Peter Huber feierten anschließend ausgiebig im Zielbereich.
Elena Roch trotz Sturz erstmals Weltmeisterin!
Nach dem Europameistertitel in diesem Jahr hat Elena Roch auch die erstmals in Österreich ausgetragene Ultracycling-Weltmeisterschaft im Rahmen des Race Around Austria gewonnen! Nicht mal ein schwerer Sturz am Dientner Sattel konnte die in Inzing lebende Niederösterreicherin stoppen. Beim RAA 1500 gab es durch den Ampflwanger Simon Harringer ebenso einen Heimsieg.
Im Vorjahr ging der Stern von Elena Roch auf, als sie beim Race Around Austria nicht nur ihr erstes großes Ultracycling-Rennen sondern auch die Overall-Wertung gewann. Seither fährt sie von Sieg zu Sieg und gestern Abend erreichte sie nach 2.200 Kilometern und 30.000 Höhenmetern rund um Österreich das Ziel in St. Georgen im Attergau. Während bei den Männern viele Favoriten auch aufgrund der großen Hitze die Segel frühzeitig streichen mussten, knackte Roch mit 3 Tagen 22 Stunden 57 Minuten auch die magische Viertagesgrenze. Den Streckenrekord der Schweizerin Nicole Reist von 2021 verpasste sie knapp. Die Hollabrunnerin war mit ihrer Zeit gleich um drei Stunden schneller als im Vorjahr. Sie lieferte sich mit der Deutschen Tina Büttner ein spannendes Duell bis zum Schluss. Büttner holte mit der tollen Zeit von 3 Tagen 23 Stunden 45 Minuten WM-Silber.
Zum Nähen statt Sektdusche
Elena Roch, die am vergangenen Montag ins RAA startete und da auch ihren 32. Geburtstag feierte, drückte dem Rennen von Beginn an den Stempel auf. "Es war mental richtig hart in der ersten Hälfte, vor allem der flache, monotone Teil im Burgenland. Die große Herausforderung in diesem Jahr war sicher die große Hitze. Aber mein Team hat tolle Arbeit geleistet und mich immer gut runtergekühlt", sagte Elena auf der imposanten Zielrampe im Attergau. Für eine Schrecksekunde sorgte sie rund 100 Kilometer vor dem Ziel, bei der Abfahrt vom Dientner Sattel nach Bischofshofen. "Es war eine schnelle Abfahrt und fast ganz unten übersah ich ein Schlagloch und machte einen Salto über den Lenker. Meine Betreuer überprüften sofort die Verletzungen und ob das Rad auch noch fahrbar ist. Der Zeitfahraufleger war kaputt, aber nach einer notdürftigen Verarztung der Schürfwunden an den Händen, Fingern und am Kinn beschlossen wir weiterzufahren", erläutert Roch, die im Ziel statt der Sektdusche zur Rettung musste, wo ihr Kinn genäht wurde.
Emotionaler Moment bei Zieleinlauf - Podium auch bei den Herren?
"Das war mein zweiter Start beim Race Around Austria. Ich habe mir heuer viel schwerer getan als 2024: Erstens die Hitze und ich hatte auch mehr körperliche Beschwerden. Aber die Zieleinfahrt nach St. Georgen, wo ich von einem Motorrad mit der Österreich-Fahne begleitet wurde, war schon sehr emotional. In den letzten vier Tagen ist so viel passiert, ich muss das alles jetzt einmal verarbeiten", schließt Elena, die während der vergangenen vier Tage eine Schlafzeit von 2 Stunden 45 Minuten Stunden ablieferte! Heute Nachmittag fällt die Entscheidung im Herrenrennen. Titelverteidiger Rainer Steinberger dürfte sich vor dem Mühlviertler Michael Hofer zum Weltmeister küren. Elena Roch könnte mit ihrer Zeit in der Overall-Wertung auf den dritten Platz kommen!
Der ehemalige "130kg Mann" gewinnt das RAA 1500
Seit den ersten Zieleinläufen in St. Georgen im Attergau gibt es viele strahlende Gesichter bei den Finishern und Preisträgern. Aber ganz besonders bei einem bekannten Trainer, der fast die komplette heimische Ultracycling-Elite trainiert: Max Kinzlbauer. Neben seinem Schützling Elena Roch jubelte er heute Früh nach dem Sieg von Simon Harringer über seine bisher perfekte Ausbeute. Der Ampflwanger Kapellmeister siegte bei seiner Premiere über die "Mini-Variante" des RAA über 1.500 Kilometer mit einer Fahrzeit von 2 Tagen 12 Stunden 13 Minuten. Simon ist ein Vorzeigesportler im Hobbybereich, was nicht immer so war: "Ich war als Kind sehr sportlich, aber in der Jugend habe ich mich mit Fortgehen, Alkohol und Rauchen gehen lassen. Mit meinem ersten Gehalt habe ich mir dann ein Bike gekauft und alles umgestellt - auf Sport und gesunde Ernährung. Seit zwei Jahren fahre ich Ultra-Rennen und ich freu mich total über diesen Sieg, es war für mich das perfekte Rennen." In den letzten zweieinhalb Tagen schlief Simon einmal eine Stunde du in der letzten Nacht lediglich 20 Minuten!